Ein Berner namens Eugen Wyss

begab sich kürzlich nach Paris,
um durch bewusstes Kunst-Erleben
sich bildungsmässig zu erheben.
Er ging, die Métro nicht beachtend
und jeden Gegenstand betrachtend,
den ihm der Baedeker empfahl,
zu Fuss durchs ganze Areal
der immerhin recht grossen Stadt;
und was er angetroffen hat
an Brücken, Kirchen, Strassen, Plätzen
und andern kulturellen Schätzen,
das hat er willig angeschaut
und pflichtbewusst sich dran erbaut.

Doch siehe da: nach sieben Tagen
war Eugen von der Kunst erschlagen.
Verflogen war sein Bildungswille –
er floh in eines Bistros Stille
und fand zum Glück im Bistro-Beizer
per Zufall einen Auslandschweizer,
der bis zum zwölften Lebensjahr
in Bümpliz aufgewachsen war
und Eugens dort geborne Tante
vom Kindergarten her noch kannte.

Auf Eugens Klage sprach er: «Tröscht di,
hock zueche – lue, da hesch e Röschti!»,
und Wyss rief, als er sie verzehrt:
«Paris ist eine Röschti wert!»

Das also war das Endergebnis
von Eugen Wyssens Kunst-Erlebnis.


Ueli der Schreiber, 1961

Erschienen in…

Buchcover 1. Band

Themen

Ein Berner namens…
Erhalt des literarischen Werks Ueli des Schreibers